RFEM 6 FE-Modell der schwebenden Bodenplatte eines Einfamilienhauses in Brandis, berechnet von Aseman Engineering
Erfolgsgeschichten

Schwebende Bodenplatte für Einfamilienhaus in RFEM 6 berechnet

Eine schwierige Gründung für ein Einfamilienhaus mit Brettsperrholzdach

Für ein eingeschossiges Einfamilienhaus in Brandis bei Leipzig entwarf das Architekturbüro STUDIO RALF HUG GmbH ein Dach aus Brettsperrholz mit ausgedehntem Gründach und Photovoltaikanlage sowie eine Glasfassade auf Stahlstützen im vorderen und westlichen Bereich, ergänzt durch rund 1,7 m auskragende Dachüberstände. Das Projekt war zuvor über zwei bis drei Jahre bei einem anderen Tragwerksplaner ins Stocken geraten, bevor S. A. Mohseni (Aseman Engineering) Anfang 2026 die statische Bearbeitung übernahm.

Der technisch anspruchsvollste Teil war die Gründung: Das Gebäude steht auf einer 25 cm dicken, schwebenden Bodenplatte mit umlaufenden Streifenfundamenten, die über ein verdichtetes Bodenpolster elastisch gebettet ist. Die aussteifenden Wandelemente sind dezentral und asymmetrisch angeordnet: Massive Mauerwerkswände sitzen ausschließlich im hinteren Gebäudeteil, während die komplett verglaste Vorderseite nur über gelenkig gelagerte Stahlstützen gehalten wird. Die Streifenfundamente liegen zudem versetzt zu den darüberliegenden Wandlasten, sodass die daraus resultierenden Momente nicht mehr mit vereinfachten Ansätzen erfasst werden können.

Ein FE-Modell für elastische Bettung und asymmetrische Aussteifung

Mohseni modellierte die Bodenplatte in RFEM 6 als vollständiges flächiges FE-Modell und importierte den Grundriss des Architekturbüros direkt als DXF-Hintergrundfolie. Er wies differenzierte Bettungswerte zu – rund 2 MN/m³ unter dem Bodenpolster gegenüber einer steiferen Bettung unter den Streifenfundamenten – und bildete die vorderen Stahlstützen als reine Vertikallager ab. Auf Basis der ermittelten Schnittgrößen wurde die Platte direkt mit dem Add-On Betonbemessung bewehrt, ohne manuellen Wechsel zwischen FE-Programm und Bemessungstool.

Vorteile der Nutzung von Dlubal Software

  • Zuverlässige FE-Berechnung schwieriger Gründungen – Elastische Bettung, versetzte Streifenfundamente und asymmetrische Lastabtragung lassen sich nur mit einem echten Finite-Elemente-Modell sauber erfassen.
  • Differenzierte Bettung für realitätsnahe Lagerung – Unterschiedliche Bettungswerte für Bodenpolster und Streifenfundamente bilden die tatsächlichen Baugrundverhältnisse ab.
  • Durchgängiger Workflow bis zur Bewehrung – Das Add-On Betonbemessung übernimmt Schnittgrößen und Verformungen direkt aus dem FE-Modell.
  • Vollständig integrierte Add-Ons – Alle Add-Ons sind direkt in RFEM 6 integriert, ein großer Vorteil gegenüber RFEM 5.

Schwebende Bodenplatte: Wenn nur die Finite-Elemente-Methode weiterhilft

Die Bodenplatte liegt nicht direkt auf gewachsenem Boden, sondern "schwebt" auf einem verdichteten Bodenpolster – konstruktiv notwendig, weil eine durchgehend gespannte Platte über die volle Gebäudebreite von rund 18 m nicht funktioniert hätte. Im Modell wurde dieses Polster mit einer Bettung von etwa 2 MN/m³ abgebildet, während die umlaufenden Streifenfundamente – zusätzlich rund 30 cm in den Baugrund eingebunden – eine deutlich höhere Bettung erhielten.

Die eigentliche Schwierigkeit lag in der Aussteifung: Die tragenden Mauerwerkswände befinden sich ausschließlich im hinteren Gebäudebereich, während die komplett verglaste Vorderseite nur über vertikal wirkende Stahl-Pendelstützen gehalten wird. Hinzu kam, dass die Streifenfundamente gegenüber den Wandlasten versetzt angeordnet sind: Die daraus entstehenden Momente lassen sich nicht mehr mit einer einfachen Plattengeometrie oder von Hand lösen, sondern erfordern ein echtes Finite-Elemente-Modell mit elastischer Bettung.

Über das Fundament hinaus: Ein vielseitiges Ingenieurbüro

Über dieses Fundamentprojekt hinaus setzt S. A. Mohseni von Aseman Engineering RFEM 6 für ein breites Spektrum an Tragwerkstypen ein, von Stahl- und Stahlbetonbauten bis hin zu Brückentragwerken und komplexen FE-Modellen. Diese Vielseitigkeit spiegelt seinen Ansatz in der Tragwerksplanung wider: Unabhängig vom Projekttyp bildet ein zuverlässiges FE-Modell die Grundlage einer soliden Bemessung.